Eine neue LEADER-Entwicklungsstrategie für die Förderperiode 2023 bis 2027

Im Herbst 2021 wurde mit der Arbeit an der neuen Strategie für die LEADER-Förderperiode 2023 bis 2027 begonnen. Dazu wurden im August/September 2021 mehrere Unternehmen, die sich mit der Regionalentwicklung beschäftigen, angefragt. Schließlich wurde das Unternehmen LE-Regio UG (Frau Dr. Sabine Heymann und Frau Constanze Weiß) mit der Aufgabe betraut und auf der Regionalkonferenz am 5. November 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Seitdem ist einiges passiert. Es gab zwei Workshops für die Öffentlichkeit zum Thema Wirtschaft & Tourismus Anfang Dezember 2021 und einen weiteren Mitte Dezember 2021 zum Thema Natur & Umwelt/Bildung und Wissenstransfer. Zudem gab es einen dritten Workshop für kommunale Vertreter und Mitglieder des Entscheidungsgremiums. Am 20. Dezember 2021 wurde eine fünfwöchige Online-Befragung gestartet, deren erste Ergebnisse in den folgenden Absätzen dargestellt werden:

Ergebnis der Online-Befragung zur Zukunft des LEADER-Gebietes SachsenKreuz+

Einen Monat konnten sich Interessierte an dieser Umfrage online beteiligen. 177 Personen nahmen diese Gelegenheit war. Besonders die Einwohner von Leisnig und Geringswalde beteiligten sich daran. Über 70 % der Teilnehmer leben schon länger als 10 Jahre in dem Gebiet. Rund 57 % sind 26-45 Jahre alt, 34 % sind 46-65 Jahre alt. Es beteiligten sich ebenso viele Frauen wie Männer.

Der größte Handlungsbedarf wird bei der Unterstützung des Ehrenamtes/Vereine gesehen, gefolgt von der Belebung des baukulturellen Erbes, der Verbesserung der Alltagsmobilität sowie der Angebote für Naherholung und Tourismus. Außerdem können die Unterstützung bedarfsgerechter sowie barrierefreier Wohnangebote und die Förderung von Kleinunternehmen noch deutlich besser werden. Bezüglich der Waren des täglichen Bedarfs wird vergleichsweise ein geringerer Verbesserungsbedarf gesehen, soweit es sich nicht um die Versorgung mit regionalen Produkten handelt.

Folgende Anregungen wurden im Rahmen der Umfrage gegeben:

Für die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs werden kleinere Strukturen vor Ort angeregt, um die Ortszentren zu stärken, die Versorgung für Unmotorisierte zu verbessern sowie regionale Produkte auch in der Region selbst kaufen zu können. Eine Lösung dafür wären u.a. überdachte Marktflächen, die besonders nachmittags oder am Wochenende regionale Produkte anbieten. Auch könnten Ladenlokale in Kombination mit anderen Dienstleistungsangeboten oder „Dorfkneipen“ die Versorgung vor Ort verbessern. Diese können zugleich als Orte der Begegnung dienen. Dabei sollte man auch auf erprobte Beispiele anderer LEADER-Gebiete zurückgreifen.

Das Leben der Seniorinnen und Senioren sollte durch den Fokus auf die Barrierefreiheit öffentlicher Angebote und Einrichtungen erleichtert werden. Dazu gehören aber auch niedrigschwellige Freizeitangebote, die schon bei der Bank im wünschenswerten öffentlichen Grün beginnen und bis zu einer Kooperation zwischen Schüler- und Seniorenangeboten reichen. Der eingeschränkten Mobilität sollte man mit Projekten wie „Anruf-Linien-Taxis“, „Mitfahrbank“ und ähnlichem begegnen. Das Projekt in Mittweida sollte dazu vielfach nachgenutzt werden.

Die Alltagsmobilität ist abhängig vom Angebot des ÖPNV eine Herausforderung. Häufig wird ein geordneter Zustand von innerörtlichen Fuß- und Radwegen gefordert. Es sind Lücken in der Anbindung an überörtliche Radwege zu schließen. Haltestellenhäuschen können das Warten auf den Bus erleichtern und sind zugleich Informations- und Treffpunkt.

Solardächer der Haltestellenhäuschen könnten sogar deren Beleuchtung sichern oder über Induktion die Mobiltelefone der Wartenden aufladen. Angebote zur Förderung der Elektromobilität sollten auch auf dem Land vorgehalten werden. Der ÖPNV würde noch mehr genutzt werden, wenn man das Fahrrad sicher und wetterfest abstellen könnte.

Die Digitalisierung sollte das Leben auf dem Land erleichtern und fehlende Angebote ausgleichen. Eine Regio-App kann dabei helfen, noch vorhandene und neue Angebote leichter zu vermitteln oder erreichbar zu machen. Dazu kann auch die Vermittlung von freiwilligen Diensten und Engagementmöglichkeiten gehören.

Die Vereine und das Ehrenamt sind und bleiben die Eckpfeiler eines lebendigen Dorflebens. Dieses Engagement braucht aber auch Sichtbarkeit und örtliche Gelegenheiten. Dazu braucht man z.B. Sportanlagen, die sowohl für den Schul- als auch für den Vereinssport nutzbar sind. Vereine brauchen Unterstützung, um sich zielgerichtet Kindern und Jugendlichen zu öffnen. Zur Freizeitgestaltung vor Ort gehören auch attraktive, öffentliche Räume, die sowohl für Kinder als auch für Senioren nutzbar sind. Engagierte und Interessierte brauchen aber auch Fachberatung und Information.

Das kulturelle Erbe ist wesentlicher Bestandteil der Verbundenheit in Dörfern und Kleinstädten. Dazu sollte das traditionelle Handwerk vor Ort Unterstützung erhalten und immer die örtlichen Besonderheiten berücksichtigt und gefördert werden. Es sind sowohl privatgenutzte Gebäude wichtig für das Ortsbild als auch die Kirchen, Bahnhöfe usw. Das kulturelle Erbe muss auch durch Feste, Veranstaltungen und in öffentlich nutzbaren Räumen erlebbar sein. Kulturelles Erbe kann man erhalten, indem man es einer vielfältigen Nutzung zuführt, wie alte Gemeindehäuser. Erneuerbare Energieerzeugung und Sanierung von (öffentlichen) Gebäuden sollte noch mehr verbunden werden.

Die Förderung der lokalen Wirtschaft wird besonders dann empfohlen, wenn dadurch die Jugend in der Region gehalten, die Betriebsnachfolge gesichert und brachliegende Gewerbefläche wieder in Nutzung gebracht werden können. Damit sind Ideen verbunden, wie ein Existenzgründerzentrum im brachliegenden Postgebäude und die Stärkung vom Homeoffice. Auch hierdurch soll das Gesicht der Dörfer erhalten bleiben, wie durch kleinteiligere Landwirtschaftsbetriebe. Dazu bedarf es passender Beratung und Unterstützung bei der Ideenfindung ggf. auch der gemeinsamen Konzeption. Innovative Ideen sollten dabei den Vorrang haben. Für dezentrale Ver- und Entsorgung, auch mit modernen Lösungen zur Versorgung mit erneuerbaren Energien, braucht es Beratung und Erfahrungsaustausch auch in der Wissenschaft.

Die bessere Erlebbarkeit der Region zur Naherholung und auch für Touristen beginnt bei Bänken, öffentlichen Toiletten und Papierkörben. Spielplätze müssen attraktiver und für verschiedenste Altersgruppen, auch für Senioren, nutzbar sein. Vorhandene touristische Angebote müssen modernisiert werden. Touristische Angebote sind auch für junge Familien vor Ort wichtig für eine attraktive Freizeitgestaltung. Vorhandene Angebote, wie auch die Wanderwege, müssen besser ausgeschildert und gepflegt werden und auch informieren. Nicht nur ehrenamtliche, sondern auch professionelle Lösungen braucht es dafür. Die örtlichen und landschaftlichen Besonderheiten müssen besser erlebbar werden. Für die bessere Vernetzung und Ergänzung der Angebote, sollte man immer wieder die Ideen der Leute vor Ort erfragen und Kooperationen, wie mit Unternehmen und Schulen, fördern.

Die Beherbergungsmöglichkeiten sind in der Region sehr unterschiedlich verteilt. Mit der Verbesserung der Erlebbarkeit der Region muss auch dies verbessert werden. Das beginnt bei modernen Camping- und Caravanstellplätzen. Die Umnutzung von bracher dörflicher Bausubstanz kann individuelle Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Durch junge Gäste bekommen auch die jungen Bewohner auf dem Lande ein interessanteres Umfeld.

Es braucht für die Auslastung aber auch innovative Ideen für „Urlaubskonzepte“. Beherbergung sollte so ortsnah wie möglich sein, um zugleich den Ort zu beleben und die Angebote des Ortes erlebbar zu machen.

Attraktive Bildungsorte sind immer noch der „Klebstoff“ für junge Familien auf dem Lande. Die eine oder andere Kita hat hier noch Nachholbedarf. Verbesserte Sportangebote und nachmittägliche Bildungsangebote, die zum heutigen Tagesablauf der Familien passen, sind gewünscht.

Das Thema Wohnen bleibt weiterhin ein wesentlicher Aspekt für LEADER. Für neuen Wohnraum sollen weiterhin leerstehende Gebäude aktiviert werden. Nutznießer sollten besonders große Familien und Mehrgenerationenprojekte sein. Barrierefreiheit kann hier allen Nutzgruppen dienen. Machbarkeitsstudien sollten im Vorfeld die Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit belegen. Besonders jungen Familien soll dabei Beratung zu Teil werden, um sich an solche Projekte zu trauen. Insgesamt soll das Ortsbild verbessert, aber auch mit dem jungen Wohnen verbunden werden.

Mit Vorhaben für den Schutz der Umwelt und die Pflege der Landschaft erwartet man gleichfalls einen Attraktivitätsgewinn. Soweit nicht durch andere Förderrichtlinien förderbar, sollten Dorfteiche reaktiviert werden, Straßenbegleitgrün, Blühwiesen und Windschutzhecken angelegt und Brachen entsiegelt werden. Um besser einschätzen zu können, wo Entsiegelung und wo Sanierung sinnvoll ist, braucht es entsprechende Konzepte. Generell soll auch hier das Engagement der Vereine und Privaten gestärkt werden. Auch die Einbindung der Schulen zur Mitwirkung und Sensibilisierung wird hier angeregt.

Weitere Themen wurden genannt, die aber nicht über LEADER gefördert werden können oder wo andere Institutionen und Behörden dafür verantwortlich sind. Nicht mit LEADER gefördert werden können beispielsweise der weitverzweigte öffentliche Personennahverkehr zu günstigen Preisen, ein Ausbau der Fernradwege und Fernwanderwegenetze, eine Verbesserung des Glasfaseranschlusses, ein Waldumbau, vielfältige Schulangebote, Fachärzte und Sozialberatung.

Nun müssen in den nächsten Arbeitsschritten die Bedarfe und Wünsche sortiert, Schwerpunkte, Ziele und auch Budget festgelegt werden. Leider werden in der LEADER-Entwicklungsstrategie nicht alle Handlungsbedarfe berücksichtigt, da der Lokalen Aktionsgruppe weniger LEADER-Mittel als in der Vergangenheit zur Verfügung stehen werden.

Jugendbeteiligung im LEADER-Gebiet SachsenKreuz+

Im Rahmen des Beteiligungsprozesses ist auch die Jugend zu Wort gekommen. Dazu sprachen Frau Dr. Sabine Heymann und Frau Constanze Weiß von der LE-Regio UG mit dem Jugendparlament in Mittweida und den Akteuren von Jugend für Morgen aus Döbel. Zusätzlich wurden die Klassenvertretungen des Lessing-Gymnasiums in Döbeln und des Martin-Luther-Gymnasiums in Hartha befragt.

So gab es eine Meckerecke, hier konnten sich die SchülerInnen zu Fragen äußern wie „Weiter so in die Zukunft? Was passiert, wenn sich nichts ändert?“ oder „Was muss passieren, damit sich die Situation verschlechtert?“. Von besonderer Bedeutung war beispielsweise das mangelhafte Angebot beim ÖPNV. Eine bessere Bahnanbindung an die Metropolen wird sich beispielweise in Döbeln gewünscht. Darüber hinaus sollen auch die Bushaltestellen verschönert werden. Von sehr hoher Bedeutung sind zudem die Breitbandversorgung und das Thema Digitalisierung in der Schule, aber auch der Erhalt von Geschäften. Hier wird sich beispielsweise ein besseres Angebot/bessere Vermarktung an regionalen Produkten gewünscht. Auch die Krankenhausversorgung und die fehlenden Kinderärzte sind den Jugendlichen wichtig. Zudem wünschen sich die SchülerInnen in Döbeln ein Angebot an Imbissen/Gaststätten, dass auch ihre Bedürfnisse erfüllt.
Aber auch die Verschmutzung von Ortszentren und Wäldern bewegt die Jugendlichen. Zur Lösung des letzteren schlagen sie die Lenkung von Touristen vor oder wünschen sich generell Aktivitäten gegen die Verschmutzungen (Sammelaktionen).

Die SchülerInnen fordern nicht nur den Erhalt der Vereine und ihrer Vielfalt, sondern wünschen sich auch, dass diese bekannter werden. Sie schlugen daher vor, dass es ein Tag der Vereine Abhilfe schaffen könnte. Dies gilt auch für darüberhinausgehende kulturelle, sportliche und touristische Angebote. Die vorhandene Vielfalt an Freizeitaktivitäten (Kino, Schwimmbad, Theater, Parkanlagen etc.) soll gestärkt werden. Wenn man die Jugendlichen fragt, was erhalten werden soll und wodurch sich die Region auszeichnet, wünscht man sich vielfach ein bekannter machen. Dies gilt auch für die vorhandenen Unternehmen, ihre Produkte und Ausbildungsmöglichkeiten sowie Berufsbilder. Sie erkennen auch, dass man hier immer wieder etwas Neues entdecken kann. Zudem wünschen sie sich, dass der Zuzug im gesamten Gebiet verstetigen soll und dass es weiterhin günstigen Wohnraum zur Miete gibt.

Die Jugendlichen haben sich aber auch mit den Fragen beschäftigt, was besser werden muss, damit man in der Region bleibt oder auch zurückzieht. Wichtig ist ihnen dabei, dass die ländliche Baukultur und Infrastruktur erhalten bleibt und es auch Grundstücke und Immobilien für den Zuzug neuer Menschen gibt. Zu der wichtigen Infrastruktur gehören der Ausbau von Radwegen, unabhängig von touristischen Routen, attraktive Gestaltung von Grünflächen bzw. die Aufforstung, die Schaffung von multifunktionalen, öffentlichen Sportflächen/-parks, bessere Straßenbeleuchtung, schönere Spielplätze für jedes Alter und auch für Jugendliche. Es sollten auch dort Jugendclubs entstehen, wo sie fehlen. Zudem werden sich Ferienjobs gewünscht, die der Dorfentwicklung dienen. Es wird sich aber auch ein Festival gewünscht, das man mit organisieren könnte.

Es gibt zudem immaterielle Wünsche wie Ideenwettbewerbe, mehr politische Bildung und Beteiligung, aber auch ein Regionalbudget mit dem die Ortsteile attraktiver gestaltet werden können. So etwas wurde in den letzten Jahren von der LAG SachsenKreuz+ angeboten.

Endspurt bei der LES-Erstellung

Im März 2022 wurden die ersten Zahlen über das Budget der neuen Förderperiode bekannt. Insgesamt stehen dem Freistaat Sachsen 240,9 Mio. Euro für LEADER zur Verfügung. Davon stammen 207,2 Mio. Euro von der Europäischen Union und 33,7 Mio. Euro vom Freistaat Sachsen. Voraussichtlich stehen der Lokalen Aktionsgruppe SachsenKreuz+ 7,43 Mio. Euro zur Umsetzung der LEADER-Entwicklungsstrategie zur Verfügung. Dies ist deutlich weniger als in der letzten Förderperiode. Damit sinkt aber auch der Anteil für kommunale Vorhaben, meist Investitionen in die Infrastruktur, auf 2.229.000,00 Euro. Daher müssen die neun Kommunen in der Gebietskulisse wirklich überlegen, welche kommunalen Investitionen mit LEADER-Unterstützung in den nächsten fünf Jahren getätigt werden sollen. Diese Situation war dann auch Thema eines Workshops Mitte März 2022 mit den kommunalen Vertretern. Ende März 2022 folgte dann ein weiterer Workshop mit den Mitgliedern der Lokalen Aktionsgruppe und des Entscheidungsgremiums in dem die Ziele der neuen LEADER-Entwicklungsstrategie sowie Querschnittsthema und Fokusthema diskutiert wurden.
Mitte Mai 2022 soll dann der Aktionsplan und die Indikatoren festgelegt werden.
Am 30. Juni 2022 muss dann die neue LEADER-Entwicklungsstrategie bei dem Ministerium für Regionalentwicklung eingereicht werden. Es ist noch einiges zu tun, denn die Kommunen und das Entscheidungsgremium müssen die Strategie beschließen.

Quelle von Fotos und Inhalt: LE-Regio UG
Quelle vom Text: Regionalmanagement SachsenKreuz+
Datum: 31.03.2022