Wo früher eine ungenutzte Freifläche lag, ist heute ein Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und junge Familien entstanden. Mit Unterstützung des Förderprogramms „Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum“ wurde das „Trickland“ in Oberlichtenau zu einem vielseitigen Sport- und Freizeitareal weiterentwickelt.
Lichtenau/Oberlichtenau. Mit dem Skateboard über die Rampe, eine Runde Tischtennis nach der Schule oder einfach gemeinsam Zeit verbringen: Das „Trickland“ in Oberlichtenau bietet jungen Menschen einen Ort, an dem sie willkommen sind. Entstanden ist die Anlage nicht allein am Schreibtisch der Gemeindeverwaltung. Ausgangspunkt waren vielmehr die Wünsche von Kindern und Jugendlichen aus Lichtenau.
In der Gemeinde hatte sich vor einigen Jahren eine aktive Skater- und Bikeszene entwickelt. Weil es vor Ort keine geeignete Anlage gab, mussten die Jugendlichen bisher nach Chemnitz oder in umliegende Städte ausweichen. So wuchs der Wunsch nach einer eigenen Strecke – und nach einem Platz, an dem sie ihre Freizeit verbringen und ihre Ideen verwirklichen können.
Im Rahmen der LEADER-Sommertour durch das SachsenKreuz+ führte der Weg deshalb in die Gemeinde Lichtenau. Das „Trickland“ zeigt beispielhaft, wie aus den Anregungen junger Menschen ein neuer Treffpunkt für die gesamte Gemeinde entstehen kann.
Jugendliche planen ihren eigenen Treffpunkt
Von Beginn an wurden die künftigen Nutzerinnen und Nutzer in die Planung einbezogen. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen des Projektes „enter – Junge Kulturregion Chemnitz“ entwickelten Kinder und Jugendliche im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 ihre Vorstellungen für die Anlage. Dabei ging es nicht nur um Rampen und andere Sportelemente. Gewünscht war eine multifunktionale Fläche, die Bewegung ebenso ermöglicht wie Begegnung, Austausch und gemeinsames Verweilen. Auch der Name „Trickland“ entstand in diesem Beteiligungsprozess.
„Die ursprüngliche Idee resultierte tatsächlich aus Anfragen aus der jungen Bevölkerung“, berichtet Bürgermeister Andreas Graf. Für die beteiligten Kinder und Jugendlichen sei dabei nicht nur das Ergebnis wichtig gewesen. Sie konnten unmittelbar erfahren, was Beteiligung bedeutet – mit den Möglichkeiten, die sie eröffnet, aber auch mit den Grenzen, die Planungen, Sicherheitsanforderungen und finanzielle Rahmenbedingungen mit sich bringen.
Aus den Ergebnissen des Workshops entstand ein Entwurf für die schrittweise Umsetzung der Sport- und Spielanlage. Der erste Bauabschnitt umfasste unter anderem die Herrichtung einer rund 50 Meter langen Asphaltfläche für Rollsportarten, verschiedene Skate-Elemente sowie eine Tischtennisplatte und einen Outdoor-Kicker. Das vorhandene Asphaltband einer früheren Baustellenumfahrung bot dafür gute Voraussetzungen: Es kann mit Inline-Skates, Skateboards, Kick-Rollern und BMX-Rädern genutzt werden.
Aus Sportgeräten wird ein Treffpunkt
Mit dem zweiten Bauabschnitt sollte aus den einzelnen Sport- und Spielangeboten ein zusammenhängender Ort mit höherer Aufenthaltsqualität werden. Gefördert wurde dieser Teil des Projektes über das Programm „Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum“. Die geplanten Gesamtausgaben lagen bei rund 54.800 Euro.
Unter dem vorhandenen alten Baumbestand wurde ein seitlich geöffneter Seecontainer als überdachte „Chill-Area“ eingerichtet. Er bietet Sitzmöglichkeiten und schützt bei schlechterem Wetter. Eine gepflasterte Fläche davor schafft zusätzlichen Raum zum Verweilen und für gemeinsame Aktivitäten. Auch die natürliche Böschung auf dem Gelände wurde in die Gestaltung einbezogen. Unterschiedliche Ebenen bilden eine Art Tribüne. Die Winkelstützelemente dienen dabei nicht nur als Sitzgelegenheiten, sondern können zugleich als Parkour-Elemente mit Rollsportgeräten genutzt werden. Ein Steg aus Stufen und Podesten verbindet die verschiedenen Bereiche, eine Stahlschiene bietet eine weitere Möglichkeit für Skateboards und Kick-Roller. Ergänzt wurden außerdem eine Sprungmöglichkeit und zwei Lichtpunkte für eine sichere Nutzung in den Abendstunden.
Der untere Bereich der Anlage ist stufenlos erreichbar. Dort befindet sich auch ein barrierefrei nutzbarer Outdoor-Kicker. So bietet das „Trickland“ zumindest auf dieser Ebene Teilhabemöglichkeiten für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
Ein Ort, an dem junge Menschen gewollt sind
Mit dem „Trickland“ ist das Freizeitangebot in Lichtenau breiter geworden. Zugleich entstand ein weiterer öffentlicher Raum, an dem sich Kinder und Jugendliche treffen können, ohne etwas konsumieren zu müssen. Gerade die zentrale Lage trägt dazu bei: In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Oberschule Lichtenau, der Jugendclub des ASB, die Kindertagesstätte „Zwergenland“, die Bibliothek, die Turnhalle und die Feuerwehr Oberlichtenau. Auch mit Bus, City-Bahn, Fahrrad und Auto ist die Anlage gut erreichbar.
„Durch das Projekt gibt es einen weiteren Ort, an dem Kinder und Jugendliche sein dürfen und gewollt sind“, sagt Andreas Graf. Davon profitiert nicht nur die junge Skater- und Bikeszene. Tischtennis, Outdoor-Kicker, Sitzbereiche und die überdachte Aufenthaltsmöglichkeit sprechen unterschiedliche Alters- und Nutzergruppen an. Zugleich stärkt die Anlage die Angebote des benachbarten Jugendclubs, der Oberschule und der Kindertagesstätte.
Regelmäßige Veranstaltungen haben sich bislang noch nicht entwickelt, erste Überlegungen gibt es jedoch bereits. Die Gestaltung der Anlage lässt unterschiedliche Nutzungen zu – von Skate-Wettbewerben über Freiluftlesungen bis hin zu kleineren Aufführungen der Schule, der Kita oder des Jugendclubs.
Förderung schafft mehr als die Grundausstattung
Ohne die Unterstützung durch das Förderprogramm hätte die Gemeinde das Vorhaben nach Einschätzung des Bürgermeisters nur in deutlich kleinerem Umfang verwirklichen können. Die Umsetzung hätte sich dann an den begrenzten eigenen Haushaltsmitteln orientieren müssen.
„Durch die Förderung konnten Wünsche der Jugendlichen realisiert und zusätzlich Investitionen in die Sicherheit vor Ort, etwa in die Beleuchtung, vorgenommen werden“, erklärt Andreas Graf. Vor allem die Aufenthaltsqualität habe sich durch den geförderten zweiten Bauabschnitt deutlich verbessert. Dass das Konzept angenommen wird, zeigt sich auch an der Nutzung: Seit der Fertigstellung des geförderten Bauabschnittes ist die Zahl der Besucherinnen und Besucher nach Angaben der Gemeinde deutlich gestiegen.
Damit ist aus einer Ansammlung einzelner Sportgeräte ein zusammenhängender Treffpunkt geworden. Die Anlage bietet Raum für Bewegung, aber ebenso für Gespräche, Pausen und gemeinschaftliche Aktivitäten.
Viele Partner für eine gemeinsame Idee
An der Umsetzung des Projektes waren zahlreiche regionale und überregionale Unternehmen beteiligt. Dazu gehören Metallbau Raschke, Inhaberin Dorit Thieme, die Container Vermietung und Verkauf Menzl GmbH, die Steinbach & Richter GbR aus Ottendorf, das Hoch-, Straßen- und Tiefbauunternehmen Frank Naumann, A+ Urbandesign aus Stuttgart, die Delling Bau GmbH aus Claußnitz, das Betonsteinwerk Flöha, das Ingenieurbüro für Baustatik Gerstenberg, die Schlosserei Morawietz, Seyfert Elektroinstallation, Vogler Elektroinstallation, MSB – die Schleifprofis sowie die Schmaus GmbH.
Einen wichtigen Anteil hatten zudem die Mitarbeiter*innen von „enter“. Sie begleiteten die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen und überführten deren Vorstellungen in den Projektentwurf. So entstand eine Anlage, die nicht nur für junge Menschen gebaut, sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt wurde.
Gemeinsam in Bewegung bleiben
Für die Zukunft wünscht sich die Gemeinde, dass das „Trickland“ gut angenommen und ebenso gut gepflegt wird. Es soll dauerhaft ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche ihre Freizeit sinnvoll gestalten, sich ausprobieren und miteinander in Kontakt kommen können. Dabei richtet sich die Anlage ausdrücklich nicht nur an eine einzelne Altersgruppe. „Es soll eine Anlage für alle Altersgruppen sein, an der Jung und Alt voneinander und miteinander lernen“, sagt Andreas Graf. Dieser Gedanke passt zur LEADER-Sommertour und ihrem Motto „Gemeinsam Zukunft pflanzen“: Zukunft entsteht dort, wo Menschen ihre Ideen einbringen und Verantwortung für ihren Ort übernehmen.
Mit der gemeinsamen Pflanzung eines Baumes hinterließ die Sommertour auch in Lichtenau ein sichtbares Zeichen für Wachstum und nachhaltige Entwicklung. Wie das „Trickland“ selbst erinnert er daran, dass aus den Wünschen junger Menschen etwas entstehen kann, das eine ganze Gemeinde bereichert.