Wo einst der Verfall drohte, ist heute ein lebendiger Treffpunkt für Gäste, Vereine und Radreisende entstanden. Mit Unterstützung der LEADER-Förderung wurde der historische Bahnhof Geringswalde denkmalgerecht saniert und zu einem Ort der Begegnung und touristischen Entwicklung umgestaltet.
Geringswalde. Wer heute den Bahnhof Geringswalde besucht, erlebt einen Ort voller Leben. Radfahrer machen Rast auf ihrer Tour durch die Region, Familien kommen zu Veranstaltungen zusammen und Vereine nutzen das Gelände für gemeinsame Aktivitäten. Dass dies heute selbstverständlich erscheint, war lange Zeit alles andere als sicher.
Denn wie viele Bahnhofsgebäude im ländlichen Raum hatte auch der Bahnhof Geringswalde seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Wo früher Menschen ankamen, sich verabschiedeten oder auf den nächsten Zug warteten, drohten Leerstand und Verfall die Geschichte des Ortes langsam auszulöschen. Für viele wäre es vielleicht nur ein weiteres altes Gebäude gewesen. Für die Menschen in Geringswalde jedoch war der Bahnhof weit mehr als das: ein Stück Heimat, ein sichtbares Zeugnis der Stadtgeschichte und ein Ort voller Erinnerungen.
Im Rahmen der LEADER-Sommertour durch die Region SachsenKreuz+ macht die Tour deshalb Station am Netzwerkbahnhof Geringswalde – einem Projekt, das beispielhaft zeigt, wie aus bürgerschaftlichem Engagement, einer starken Idee und der Unterstützung durch LEADER ein echter Mehrwert für die gesamte Region entstehen kann.
Ein Bahnhof mit Geschichte
Der Bahnhof und sein Gelände prägen Geringswalde seit Generationen. Als wichtiger Bestandteil der regionalen Infrastruktur war er lange Zeit ein Tor zur Stadt und ein Ort der Begegnung. Mit dem Rückgang des Bahnverkehrs verlor das Gebäude jedoch zunehmend seine Funktion. Die Gefahr war groß, dass ein bedeutendes Stück regionaler Bau- und Kulturgeschichte dauerhaft verloren geht.
Diese Entwicklung wollten engagierte Bürgerinnen und Bürger nicht hinnehmen. Im Förderverein Sport und Kultur Geringswalde e. V. entstand die Idee, den Bahnhof nicht nur zu erhalten, sondern ihm eine neue Aufgabe zu geben – eine Aufgabe, die sowohl die Geschichte des Ortes respektiert als auch den Bedürfnissen der Gegenwart gerecht wird. Die Vision war ebenso einfach wie anspruchsvoll: Aus dem ehemaligen Bahnhof sollte ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen, Gäste willkommen sind und regionale Entwicklung sichtbar wird.
Historisches bewahren, Zukunft gestalten
Mit Unterstützung der LEADER-Förderung konnte diese Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden. Das historische Bahnhofsgebäude wurde denkmalgerecht saniert und behutsam an moderne Anforderungen angepasst. Dabei ging es nicht nur darum, Mauern zu erhalten oder Räume zu renovieren. Ziel war es, den Charakter des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.
Entstehen sollen moderne Ferienzimmer in historischem Ambiente, die insbesondere Radreisenden und Gästen der Region in Zukunft ein besonderes Übernachtungsangebot bieten sollen. Gleichzeitig wurde das Gelände zu einem Ort der Begegnung weiterentwickelt – offen für Veranstaltungen, Vereinsleben und gemeinschaftliche Aktivitäten.
„Der Bahnhof ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte und unserer Identität. Für uns war klar, dass wir dieses Stück Geringswalde nicht einfach verlieren dürfen. Heute zu sehen, wie Menschen hier feiern, sich treffen oder einfach eine Pause einlegen, macht uns stolz. Das Gebäude hat wieder eine Aufgabe – und vor allem wieder eine Zukunft“, sagt Frank Wagenbichler vom Förderverein Sport und Kultur Geringswalde e. V.
Mehr als ein Bauprojekt
Der Erfolg des Vorhabens lässt sich nicht allein an sanierten Wänden oder neuen Zimmern messen. Viel wichtiger sind die Veränderungen, die das Projekt für die Stadt und ihre Menschen angestoßen hat. Rund um den Bahnhof ist neues Leben entstanden. Das Gelände wird genutzt und gepflegt, Veranstaltungen locken Besucher an und die Wahrnehmung der Stadt im regionalen Umfeld hat sich spürbar verändert. Aus einem Ort, der lange Zeit eher für Stillstand stand, ist ein Ort geworden, der Bewegung und Entwicklung symbolisiert.
Besonders deutlich wird das bei den zahlreichen Angeboten, die inzwischen am Bahnhof stattfinden. Das Familienfest zu Himmelfahrt, Musikveranstaltungen oder das beliebte „Café am Radweg“, das von Mai bis September jeden Sonntag öffnet, bringen Menschen zusammen und machen den Bahnhof zu einem lebendigen Treffpunkt. Davon profitieren nicht nur Gäste und Touristen. Auch die Bürgerinnen und Bürger, Vereine und das direkte Umfeld des Bahnhofs gewinnen durch die neue Nutzung. Der ehemalige Bahnhof ist wieder Teil des gesellschaftlichen Lebens geworden – vielleicht sogar mehr als je zuvor.
Was LEADER möglich macht
Für die Verantwortlichen vor Ort steht fest: Ohne die LEADER-Förderung wäre die Umsetzung in dieser Form nicht möglich gewesen. Gerade Projekte wie der Netzwerkbahnhof zeigen, welche Bedeutung LEADER für die Entwicklung ländlicher Regionen hat. Hier werden Ideen unterstützt, die oft nicht allein nach wirtschaftlichen Maßstäben bewertet werden können, deren Nutzen für Gemeinschaft, Lebensqualität und regionale Identität jedoch enorm ist.
„LEADER gibt den Menschen vor Ort die Möglichkeit, ihre Ideen selbst zu entwickeln und umzusetzen. Hier wird regional entschieden, was für die Region wichtig ist. Genau das macht den Unterschied“, betont Frank Wagenbichler. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Zukunft ländlicher Räume ist. Hinter dem Erfolg stehen unzählige Stunden freiwilliger Arbeit, viele Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Menschen, die an die Idee geglaubt und sie über Jahre hinweg begleitet haben.
Ein Ort, der Menschen inspiriert
Heute ist der Netzwerkbahnhof Geringswalde weit mehr als ein saniertes Gebäude. Er erzählt die Geschichte einer Gemeinschaft, die Verantwortung übernommen hat. Er zeigt, dass aus vermeintlich verlorenen Orten neue Chancen entstehen können. Und er macht Mut, eigene Ideen für die Zukunft der Region zu entwickeln.
Genau solche Projekte möchte die LEADER-Sommertour sichtbar machen. Sie stehen stellvertretend für Menschen, die nicht abwarten, sondern anpacken. Für Bürgerinnen und Bürger, die ihre Heimat aktiv mitgestalten. Und für Orte, an denen regionale Entwicklung ganz konkret erlebbar wird.
Die LEADER-Sommertour führte Regiomalmanagerin Josefine Tzschoppe nach Geringswalde – an einen Ort, der beispielhaft zeigt, wie aus einer mutigen Idee ein Gewinn für die ganze Region werden kann. Am Netzwerkbahnhof wurde nicht nur über Fördermittel und Bauarbeiten gesprochen. Vielmehr stand die Geschichte der Menschen im Mittelpunkt, die an das Potenzial dieses besonderen Ortes geglaubt und ihm eine Zukunft gegeben haben.
Für die Regionalmangerin war der Besuch in Geringswalde ein besonderes Beispiel dafür, wie erfolgreich regionale Entwicklung vor Ort gestaltet werden kann. „Bei unserer LEADER-Sommertour möchten wir die Menschen hinter den Projekten sichtbar machen. In Geringswalde wird deutlich, wie viel Herzblut, Durchhaltevermögen und Gemeinschaftssinn in einem Vorhaben stecken können. Solche Projekte machen Mut und zeigen, was in unserer Region alles möglich ist.“
Mit der gemeinsamen Pflanzung eines Baumes setzten die Beteiligten ein sichtbares Zeichen für nachhaltige Entwicklung und für das, was der Bahnhof heute verkörpert: Gemeinschaft, Engagement und die Kraft, aus Vergangenem etwas Neues entstehen zu lassen. Der junge Baum erinnert künftig daran, dass auch große Veränderungen oft mit einer kleinen Idee beginnen.