Aus Leerstand wird Leben: Ein Hostel für Leisnig

Jahrelang stand das historische Gebäude am Markt 17 leer und verfiel zusehends. Viele gingen daran vorbei – Ulrich Hofmann und seine Frau blieben stehen. Heute arbeiten sie daran, die ehemalige Kupferschmiede zu einem Ort zu machen, der Tourismus, Begegnung und Gemeinschaft miteinander verbindet. Mit Unterstützung von LEADER entsteht mitten im Herzen von Leisnig ein Projekt, das weit über die Sanierung eines historischen Hauses hinausgeht. 

Leisnig. Manchmal beginnt Veränderung mit einer einfachen Entscheidung: nicht länger zuzusehen. So war es auch bei Ulrich Hofmann und seiner Frau. Als sie 2018 bemerkten, wie immer mehr historische Gebäude in der Leisniger Altstadt leer standen und verfielen, wollten sie das nicht einfach hinnehmen. Gemeinsam engagierten sie sich zunächst in der Initiative „Stadt-Aktiv“, diskutierten Ideen und suchten gemeinsam mit der Stadt nach Lösungen für die historische Innenstadt. Doch irgendwann reichte Reden allein nicht mehr. Also beschlossen sie, selbst Verantwortung zu übernehmen. 

Nach einem ersten erfolgreich sanierten Gebäude fiel ihr Blick auf ein weiteres Wahrzeichen der Stadt: das Haus Markt 17. Die ehemalige Kupferschmiede prägt seit Jahrhunderten das Gesicht des Leisniger Marktplatzes. Im Laufe ihrer Geschichte diente sie unter anderem als Badeanstalt, Wohnhaus und Gewerbeobjekt. Seit 2004 stand das Gebäude jedoch leer. Undichte Dächer, Feuchtigkeit und jahrelanger Sanierungsstau hatten deutliche Spuren hinterlassen. Viel fehlte nicht mehr, bis das Haus endgültig verloren gewesen wäre. 

2024 erhielt die Familie Hofmann schließlich den Zuschlag für den Kauf des Gebäudes. Seitdem arbeiten sie mit großem Engagement daran, aus dem denkmalgeschützten Haus wieder einen lebendigen Ort zu machen. Dabei geht es um weit mehr als die Sanierung eines historischen Gebäudes.

Natürliche Baustoffe im Einsatz

Im Vorderhaus entsteht ein modernes, barrierefreies Hostel mit Zwei- und Mehrbettzimmern, Gemeinschaftsküche und Aufenthaltsbereichen. Ergänzt werden soll es durch einen Multifunktionsraum im Hof, der nicht nur den Gästen offensteht. Vereine, Familien, Schulklassen und Initiativen sollen ihn künftig für Veranstaltungen, Schulungen oder Begegnungen nutzen können. So entsteht ein Ort, der Tourismus und Gemeinschaft miteinander verbindet.

Auch Nachhaltigkeit spielt bei der Umsetzung eine wichtige Rolle. Historische Bausubstanz soll möglichst erhalten bleiben, natürliche Baustoffe kommen zum Einsatz und moderne Technik wie eine Wärmepumpe sorgt dafür, dass das Gebäude auch energetisch fit für die Zukunft wird. Gleichzeitig entstehen sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und E-Bikes – ein wichtiger Baustein für den wachsenden Radtourismus in der Region.

Für Ulrich Hofmann ist das Projekt deshalb weit mehr als eine Investition. „Wir wollten nicht länger zusehen, wie dieses historische Gebäude verfällt“, sagt er. „Markt 17 soll wieder ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen – egal ob Gäste, Vereine oder Einheimische. Wenn wir damit gleichzeitig die Innenstadt beleben können, haben wir unser Ziel erreicht.“ 

Von der Vision zur Wirklichkeit

Die Umsetzung ist anspruchsvoll. Denkmalschutz, Brandschutz, Barrierefreiheit und die Anforderungen an einen Beherbergungsbetrieb machen das Vorhaben komplex und kostenintensiv. Ohne die LEADER-Förderung wäre das Projekt in dieser Form kaum realisierbar. Sie schafft die notwendige finanzielle Grundlage, um die Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen.

Regionalmanagerin Josefine Tzschoppe sieht in Markt 17 ein Vorhaben mit besonderer Strahlkraft: „Markt 17 zeigt eindrucksvoll, wie viel eine einzelne Idee für eine ganze Stadt bewirken kann“, sagt sie. „Hier wird nicht nur historische Bausubstanz erhalten. Es entsteht ein Ort, der Menschen zusammenbringt, den Tourismus stärkt und neues Leben in die Innenstadt bringt. Genau solche Projekte machen LEADER aus.“

Beim gemeinsamen Halt der LEADER-Sommertour wurde deshalb nicht nur über Baupläne gesprochen. Es ging vor allem um Mut, Ausdauer und die Überzeugung, dass Veränderung immer bei Menschen beginnt, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Zum Abschluss pflanzten die Beteiligten gemeinsam einen Baum – als Symbol für ein Projekt, das gerade erst seine Wurzeln schlägt und künftig dazu beitragen soll, dass die historische Innenstadt von Leisnig wieder ein Stück lebendiger wird.